
„Der frisch ausgetruckete Saft hilft bey ...“ – auf diesen Satz stößt der junge Schweizer Apotheker Walther Schoenenberger in alten Kräuterbüchern immer wieder, als er Anfang der zwanziger Jahre die faszinierende Wirkung von Heilpflanzen studiert.

Geburt einer Idee
Die Idee einer therapeutischen Wirksamkeit frischer Heilpflanzensäfte fesselt Schoenenberger und lässt ihn sein Leben lang nicht mehr los. Er experimentiert zunächst selbst im Labor und weist nach: Frisch ausgepresste Pflanzensäfte enthalten tatsächlich mehr Wirkstoffe als getrocknete Kräuter oder Auszüge mit Wasser und Alkohol. Er forscht weiter und beobachtet die Natur: Mäuse fressen frische Pfefferminzblätter gegen Bauchschmerzen und Schafe Schafgarbe gegen Magen-Darm-Verstimmungen. Natürliche Instinkte, die die Menschen offensichtlich verloren hatten. Seine These lautet: Die Heilkonzentration, die die Natur schafft, ist in unverbildeter Form nur in der frischen Pflanze enthalten. Er findet auch Unterstützung bei frühen medizinischen Autoritäten. „Die Kraft deines Körpers liegt in den Säften der Pflanzen“, schreibt vor fast 6000 Jahren der chinesische Kaiser Shin-Nong, Verfasser des ältesten Heilpflanzenbuches der Welt. Der griechische Arzt Hippokrates sagt im fünften Jahrhundert vor Christus: „Euere Nahrungsmittel sollten euere Heilmittel und euere Heilmittel sollten Nahrungsmittel sein.“ Schoenenbergers Überzeugung wächst: Nicht Tabletten und nicht das getrocknete Kraut, sondern der frische und naturreine Pflanzensaft ist das eigentliche Heilmittel. Der junge Apotheker beschließt, die Kräuterheilkunde zu reformieren.

Erste Saftproduktion in Mutters Küche
Walther Schoenenberger beginnt mit der Produktion der ersten Frischpflanzensäfte - in der Küche seiner Mutter. Um sechs Uhr mit dem Fahrrad auf die Wiese zum Pflanzen sammeln, schnell nach Hause wegen der Frische, Waschen im Spülbecken, Zerkleinern mit dem Fleischwolf, Auspressen mit der Hand, Abfüllen in Flaschen, die auf dem Herd sterilisiert werden. Sein erster Kunde: Ein renommierter Heilpraktiker. Die Möglichkeit, ganzjährig frischen Press-Saft von Brennnessel, Huflattich oder Weißdorn zur Frischpflanzen-Therapie trinken zu können, schlägt schnell mehr gesundheits- und naturbewusste Menschen in den Bann. Die Nachfrage steigt. Die Saftfabrik in der Küche wird zu klein.

Ein Sparbuch, Idealisten und ein verrückter Apotheker
Im Februar 1927 gründet der Natur-Therapeut das Walther Schoenenberger Pflanzensaftwerk und zieht bald darauf in die Räume einer alten Brauerei nach Magstadt im Schwäbischen. Sein Betriebskapital: Eine Idee und das Sparbuch seiner Verlobten. Zur großen Enttäuschung des gelernten Apothekers Schoenenberger zeigen sich die Pharmazeuten an den erntefrischen Press-Säften nicht interessiert: „Alte Zöpfe!“ Pflanzenmedizin sei längst passé, Tabletten zeitgemäß. Die Berliner Reformhausbesitzerin Adorno sieht das anders und übernimmt den Vertrieb für die Hauptstadt. Der Verkauf der Säfte über andere Reformhäuser, die zu diesem Zeitpunkt im ganzen Land entstehen, beginnt bereits ab 1929. Walther Schoenenberger wird so Mitbegründer einer Bewegung von Idealisten, die die Besorgnis eint, dass die industrielle Entwicklung die Lebens- und Heilmittel zu weit von ihrem ursprünglichen Zustand entfernt.
Der Betrieb wächst rasch. Das Problem ausreichender Rohstoffe ist zu lösen. Im Gasthaus Adler überzeugt der damals 29-jährige Unternehmer die ortsansässigen Bauern in langen Diskussionen ihren Anbau umzustellen. Erst gegen die Zusicherung von jährlich 20 000 Mark, dem Ertrag einer Weizenernte, pflanzen sie Brennnesseln, Löwenzahn und Schafgarbe an. Unkraut, das die Felder ruiniert, aus Sicht der Landwirte. „Apotheker, verrückter!“, murren sie, aber der Betrieb kann so in den folgenden Jahrzehnten weiter ausgebaut und modernisiert werden. Eine Idee macht ihren Weg.

Arzneimittel-Gesetz und Bundesverdienstkreuz
Neuauflagen von Arzneibüchern verordnen im Laufe der Zeit ausdrücklich „die frische Pflanze“. Wissenschaftliche Untersuchungen und persönliche Dankesbriefe bestätigen den Naturarzneimittel-Hersteller. Die Firma wird umgebaut und erweitert, mehr Mitarbeiter werden eingestellt. Neben der Arbeit mit und für die Pflanze kümmert sich Walther Schoenenberger jedoch vor allem um das politische Engagement für die Naturheilkunde. Sein größter Erfolg: Im Jahr 1961 werden „Presssäfte aus frischen Pflanzen“ als freiverkäufliche Arzneimittel in das Arzneimittelgesetz aufgenommen. 1971 wird er schließlich für sein Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Eine Philosophie wird 80 Jahre
Seit 1991 gehört die Firma Schoenenberger zum Salus-Haus. Beide Firmen ergänzen sich hervorragend im Know-How und in der Erfahrung in der Herstellung von Phytotherapeutika. Das Mutter-Unternehmen Salus wurde im Jahre 1916 von Dr. med. Otto Greither - Arzt, Erfinder der Salus-Kur und ebenfalls ein Visionär der Naturheilkunde des zwanzigsten Jahrhunderts - gegründet. Heute ist die Firmengruppe einer der Marktführer in der Reformhaus-Branche und eines der Unternehmen mit dem reichhaltigsten Arzneimittelschatz in Deutschland. Wichtige Impulse für die Herstellung von Naturheilmitteln gehen von Salus-Schoenenberger im Bereich Bioanbau, Heilpflanzenforschung und Technologie-Entwicklung aus. Schoenenberger ist der bedeutendste Hersteller von frisch gepressten Heilpflanzensäften in Deutschland, mit einem Sortiment von mittlerweile fünfunddreißig Säften. Im September 2007 würdigte Schoenenberger das 80-jährige Bestehen der erfolgreichen Frischpflanzenphilosophie des Firmen-Gründers.
Schoenenberger investiert in die Zukunft
Gleichzeitig mit dem Firmenjubiläum wurde die Einweihung der neuen, hochmodernen Betriebsstätte gefeiert. Die Produktionsanlagen, die Anlagen und Labors zur Qualitätssicherung und die Logistikanlage sind nach den neuesten technischen Standards entstanden. Der Neubau umfasst eine Fläche von rund 3500 Quadratmetern, insgesamt wurde ein Betrag von 10 Millionen Euro am Standort Magstadt investiert. „Wir blicken voller Zuversicht in die Zukunft und wollen ein wichtiges Signal für die Region setzen," sagt dazu der Inhaber der Salus-Schoenenberger-Gruppe, Otto Greither.


















