Grußwort von Prof. Dr. habil. Dr. h.c. Reinhold Carle

Universität Hohenheim Institut für Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie

"Denkt man an die Forderung nach Rückverfolgbarkeit der Herkunft phar­mazeutischer Rohstoffe, an Rückstandsfreiheit und Nachhaltigkeit, begreift man, dass Walther Schoenen­berger auch in dieser Hinsicht ein Visionär war, der nichts dem Zufall überließ."

Der Geschäftsidee des Unternehmensgründer, des Apothekers Walther Schoenenberger, lag die tiefe Über­zeugung zugrunde, dass nicht Tabletten und das getrocknete Kraut, sondern der frische und naturreine Pflanzensaft das eigentliche Heilmittel sei. Seine Überzeugung stützte er auf Überlieferungen antiker Heil­kunst. In einer Zeit, in der sich der medizinische Fortschritt und die pharmazeutische Chemie rasant ent­wickelten, fand Walther Schoenenberger wenig wissenschaftliche Unterstützung. Während stark wirksame pflanzliche Inhaltsstoffe wie Morphin aus dem Schlafmohn, Herzglykoside aus dem Fingerhut, Atropin aus der Tollkirsche und Chinin aus der Chinarinde früh die Wissenschaft faszinierten, war es noch bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts schwierig, Pharmakologen für Untersuchungen an komplex zusammen­gesetzten Arzneipflanzen zu begeistern, die weniger spektakuläre Wirkungen zeigten.

Erst im Zuge der sog. Nachzulassung pflanzlicher Arzneimittel waren Hersteller von Phytopharmaka gezwungen, deren Wirksam­keit durch pharmakologische und klinische Studien zu belegen. Viele Erkenntnisse über Arzneipflanzen ver­danken wir diesen Bemühungen der modernen Wissenschaft, die zeigten, dass deren Wirkung vielfach auf das komplexe Zusammenwirken verschiedener Wirk- und Begleitstoffe zurückzuführen ist. Der Reinstoff Morphin wirkt anders als eine komplex zusammengesetzte Opiumtinktur ‒ ein unbestrittener Sachverhalt. Wie Aristoteles bereits erkannte, ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile.

Auch dass eine frische Pflanze andere Inhaltsstoffe enthalten kann als die getrocknete Droge, dass sog. postmortale Prozesse deren Zusammensetzung aufgrund von Enzymaktivitäten wesentlich verändern, verdanken wir der For­schung der letzten 40 Jahre. Und dass dies tatsächlich therapeutisch relevante Unterschiede hinsichtlich der Bioverfügbarkeit und Wirksamkeit pflanzlicher Zubereitungen zur Folge haben kann, lernten wir eben­falls erst in jüngerer Vergangenheit. Offensichtlich war Walther Schoenenberger vor nunmehr 90 Jahren seiner Zeit intuitiv weit voraus!

Auch im Arzneipflanzenanbau war Walther Schoenenberger ein Pionier. In seiner Zeit wurden die meisten Arzneipflanzen noch aus Wildsammlungen bezogen. Dass er „Unkräuter“ wie die Brennnessel anbauen ließ, stieß auf Unverständnis und Spott. Heute ist das Sammeln von Arzneipflanzen aus Gründen des Natur­schutzes zurecht eingeschränkt. Denkt man an die Forderung nach Rückverfolgbarkeit der Herkunft phar­mazeutischer Rohstoffe, an Rückstandsfreiheit und Nachhaltigkeit, begreift man, dass Walther Schoenen­berger auch in dieser Hinsicht ein Visionär war, der nichts dem Zufall überließ.

Ganz im Geiste des Firmengründers wurde bei Schoenenberger eine enge Kooperation mit der universitä­ren Forschung angestrebt. Gemeinsam suchten wir nach neuen Wegen zur schonenden Stabilisierung von Pflanzensäften, zur Verbesserung der Energieeffizienz, zur Entwicklung neuer Produkte, z.B. aus der Kak­tusfeige. Cranberry- und Granatapfel-, Löwenzahn- und Artischocken-Presssäfte waren weitere Gegen­stände unserer gemeinsamen Forschung und Entwicklung.

Als Wissenschaftler, der hierzu etwas beitragen durfte, wünsche ich dem Unternehmen unter dem Schirm des Salus-Hauses weiterhin eine gute Entwicklung und viel Erfolg. Ad multos annos!

 

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